SEX
SELBSTBEFRIEDIGUNG

How to: Fingern

VH

Valerie Herrmann

Das gute alte Fingern. Eine der wichtigsten Sexualpraktiken überhaupt. Und so vielfältig einsetzbar! Zum Vorspiel, als kleine Pauseneinheit zwischen zwei Runden, als Extrastimulation für sie bei verschiedenen Sexstellungen – oder auch einfach als erste sexuelle Erfahrung, wenn man noch nicht bereit ist, in die Vollen zu gehen. Oft wird das Fingerspiel (besonders von Menschen ohne Vagina) unterschätzt oder leider nicht besonders gekonnt praktiziert. But fear not: Wir haben ein paar Tipps für euch. 

*Anmerkung: Wenn in diesem Artikel von „Frauen“ die Rede ist, sind damit biologische Frauen beziehungsweise Personen mit Vagina gemeint. Wenn das für dich selbstverständlich ist: Nein, Frau sein heißt nicht, eine Vagina zu besitzen, genau wie man als Mann nicht zwingend Penis haben muss. Wenn du mehr dazu wissen möchtest, klick hier.

 

Zunächst einmal: Jede Frau ist anders, sowieso klar.

 

Was die eine zum Jubeln bringt, lässt die andere gähnen. Was eure Partnerin mag, könnt ihr vorher noch nicht wissen (außer sie sagt es euch natürlich beispielsweise beim verbalen Vorspiel). Deswegen muss das Fingern selbst von erfahreneren Liebhabern und Liebhaberinnen bei jeder neuen Frau auch mehr oder weniger gelernt beziehungsweise angepasst werden.

 

Das einzig Allgemeingültige: Bitte schneidet euch vorher die Nägel und wascht euch die Hände. Aufgekratzt werden ist weniger spaßig und dreckige Finger können zu Infektionen und anderen tollen Nebenwirkungen führen, also achtet bitte auf gepflegte Hände. Das vorweg gesagt. Jetzt aber zu den Tipps:

Nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen! 

 

Ein großer Fehler, den viele Fingerlinge begehen, ist direkt von 0 auf 100 zu schalten. In vielen Mainstreampornos, wenn es überhaupt mal um die weibliche Lust geht, werden die Finger beim Handanlegen wie kleine Penisse benutzt. Das sind sie aber nicht und sollten deswegen nicht luftpumpenartig in eure Partnerin reingeschoben und wieder rausgezogen werden - außer sie steht drauf. Viele Frauen spüren dabei aber sehr wenig, vom Orgasmus ganz zu schweigen. (Gilt übrigens auch beim Sex, durch reine Penetration kommen viele Frauen nicht).

 

Ihr könnt die Lust eurer Partnerin außerdem enorm steigern, wenn ihr sie anfangs etwas „zappeln“ lasst und das Ganze langsam angeht. Also beschäftigt euch zunächst einmal mit ihrer Vulva (der äußere Genitalbereich), indem ihr zum Beispiel eure Hand darauflegt und mit leichtem Druck massiert. Fahrt dann mit Zeige- und Mittelfinger leicht die äußeren (großen) Schamlippen entlang oder massiert ihren Damm (Stelle zwischen dem Vaginaleingang und dem Poloch). Nehmt euch ein paar Minuten Zeit, in denen ihr nach Lust und Laune streichelt oder massiert und lasst den sichtbaren Teil ihrer Klitoris (kleiner Knubbel am oberen Ende der inneren Schamlippen) dabei extra aus oder berührt ihn nur leicht. Achtet hier bereits auf ihre Reaktionen (was ihr übrigens die ganze Zeit tun solltet): Diese Art Warten macht viele Frauen immens horny. Wo wir gerade beim Kitzler sind: 

 

Die Klitoris ist der mvp des Games! 

 

(Mvp = Most Valuable Player). Die Klitoris (auf deutsch Kitzler) ist einer der wichtigsten Go To-Punkte beim Fingern. Dabei ist der „kleine Hügel“ wie er auf lateinisch heißt, nur ein kleiner Teil der ganzen Klitoris, dazu aber gleich mehr. Er ist jedenfalls eine wahnsinnig erogene Zone und kriegt oft auch bei der Selbstbefriedigung vieler Frauen die meiste Aufmerksamkeit.

 

Nachdem ihr ihrer also Vulva genug Zeit zugewandt habt, könnt ihr zum Beispiel mit Zeige- und Ringfinger die äußeren Schamlippen sanft spreizen und den Mittelfinger langsam durch die nun hoffentlich feuchte (wenn nicht, noch mehr Zeit investieren oder Gleitgel ranholen) Landschaft hoch bis zum Kitzler bringen und diesen massieren. Probiert ein wenig herum. Ob nur mit einem Finger oder mehreren, ob direkt auf ihm oder nur indirekt um ihn herum, aber am besten in Kreisbewegungen.

 

Achtung: Der Kitzler ist wahnsinnig empfindlich, weswegen es für manche Frauen zu intensiv oder unangenehm ist, wenn ihr direkt oder mit zu viel Kraft an ihm herumspielt. Statt Kreisen könnt ihr ihn beispielsweise auch zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger nehmen und die Finger wie bei der Handgeste für „Dit kostet ordentlich Knete“ mit Gefühl hin- und herbewegen. Wenn ihr das gefällt, macht das ruhig ein Weilchen, aber bitte auch keine halbe Stunde lang dieselbe Stelle rubbeln, denn: 

Abwechslung macht Freude! 

 

Einer der größten Reize beim Fingern ist ja, dass Frau es nicht selbst ist, die sich befriedigt. Wenn sie mit sich alleine und horny ist und keine Lust oder Zeit hat, eine ausgiebige Masturbationssession einzulegen, kann sich das Ganze recht schnell, linear und to the point gestalten. Aber von der Sexualpartnerin oder dem Sexualpartner wünscht man sich im Normalfall keinen monotonen Sprint, sondern eine ausgedehnte Runde Joggen durch verschiedenste Regionen.

 

Deshalb: Neben dem Kitzler gibt es noch den Scheidenvorhof (innere Region um den Vaginaleingang herum bis hoch zum Kitzler), die inneren (kleinen) Schamlippen und an deren unterem Ende natürlich den heiligen Gral: Die Vagina.

 

Die inneren Schamlippen und der Scheidenvorhof sind vergleichsweise weniger empfindlich und werden am besten parallel zum Kitzler mit den freien Fingern massiert, bevor ihr in eure Partnerin eindringt. Falls ihr überhaupt eindringt, vielleicht möchte oder braucht eure Partnerin dies überhaupt nicht, wenn ihr sie fingert.

 

Ansonsten könnt ihr für ein bisschen Abwechslung beispielsweise die Finger wie ein umgedrehtes V (Spitze des Vs ist auf Kitzlerhöhe) auf die inneren Schamlippen legen und die Finger wie kleine laufende Beinchen bewegen oder die Lippen entlangfahren. Switcht dabei nicht jede hektische Sekunde zu einer neuen Bewegung, da es ein bisschen Zeit braucht, bevor man sich auf jede neue Stimulation eingelassen hat.

 

Und wie ist das mit dem Eindringen? 

 

Falls ihr in sie eindringt: Ein paar Zentimeter hinter dem Scheideneingang ist bei den meisten Frauen die empfindlichste Zone, die G-Zone. Hier stimuliert ihr von innen die Klitoris. Denn diese ist, wie erwähnt, nicht nur der kleine kitzlige Knopf, der zwischen den Schamlippen hervor lugt. Dieser ist nur die Spitze (übrigens auch Klitoriseichel genannt), der Rest erstreckt sich mit seinen zwei Schwellkörpern in den Körper hinein. 

 

Durch die Stimulation dieser Zone können einige Frauen auch ohne Berührung des Kitzlers kommen. Im Volksmund ist das oft noch als „vaginaler“ Orgasmus bekannt, obwohl auch hier die Klitoris für den Höhepunkt zuständig ist, die eben beim vaginalen Fingern durch die Scheidenwand massiert wird.

 

Ihr könnt die G-Zone besonders gut mit der „Komm her“-Geste, also einer Art Lock-Bewegung mit einem oder zwei Fingern stimulieren. Wenn ihr es schafft, lasst dabei den Daumen bzw. die Seite des Daumenkuppe mit leichtem Druck auf dem Kitzler liegen oder massiert ihn weiter. So oder so: Spielt beim Fingern mit verschieden starkem Druck und Bewegungen, nehmt die oder den Finger wieder raus, kümmert euch nochmal um die anderen Zonen, ändert die Richtung beim Um-den-Kitzler-Kreisen und so weiter. Nur falls sie kurz vorm Höhepunkt ist, solltet ihr eine länger bei derselben Bewegung bleiben, um den Orgasmus nicht zu abzubrechen. Das Wichtigste ist, auf ihre Signale zu achten und zu reagieren. 

 

Drum: Wenn ihr euch traut, fragt! 

 

Am besten macht Mensch es sich selbst. Wenn es euch nicht unangenehm ist, fragt eure Partnerin, was sie mag. Ein kurzes „Ist es so gut?“ (oder sogar noch kürzer „So?“) sowie ein „Wie fühlt sich das an?“ kann euer Fingergame extrem verbessern.

 

Ihr könnt sie auch auffordern, eure Hand oder Finger zu führen. Falls sie sich damit wohlfühlt, bittet sie, vor euch masturbieren. Das ist nicht nur lehrreich, sondern kann verdammt heiß sein. Jedoch kann es gleichzeitig (besonders, wenn ihr noch nicht so vertraut oder generell unerfahren seid) überfordernd sein. Also nicht pushen!

 

Generell ist das oberste Gebot, dass sie sich wohlfühlen und entspannen kann. Denn bei Frauen ist der Orgasmus und die Lust erwiesenermaßen deutlich mehr Kopfsache als bei Männern. Deshalb tut ihr auch gut daran, sie mit ein paar hotten Sätzen zu bestärken. Ein „Du siehst so heiß aus“ oder „Dein Stöhnen turnt mich so an“ hilft vielen Frauen, locker zu lassen und auch die Reaktionen auf eure Berührungen ungehemmter zum Ausdruck zu bringen. Das wiederum hilft euch dabei, besser zu fingern. Win win

 

Auch wenn es vielleicht zunächst so wirkt: Fingern ist keine Quantenphysik. Solange ihr euch miteinander wohl fühlt und beide Sp haben, kann gar nicht so viel schief gehen.

Dieser Beitrag ist Teil unserer Zusammenarbeit mit Julianbeing. Auf seinem Blog schreibt er wunderbare Beiträge rund um Selbstwertschätzung, Partnerschaften, was es bedeutet ein guter Liebhaber bzw. Liebhaberin zu sein und selbstverständlich um Sex. Dort hat er auch einen Leitfaden geschrieben, wie du die sexuelle Körpersprache von Frauen besser verstehen kannst, während du es ihr besorgst. Wenn du Englisch sprichst und mehr darüber erfahren möchtest, solltest du unbedingt vorbei schauen!

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